Sonntag, Dezember 09, 2018

akronsymbol






Bevor wir uns mit dem Begriff "Spiritualität" beschäftigen können, müssen wir uns zuerst mit der Frage auseinandersetzen, was überhaupt "Realität" ist. Wie ist das mit dieser "Beschreibung der Welt", die in unserem Kopf existiert, und zwar durch die Brille, die uns unser soziales Umfeld diktiert hat. Aus der materiellen Sicht ist Realität alles, was wir haben. Aus dem gegenüberliegenden Blickwinkel stellt sich hingegen die Frage: Ist Realität nur deshalb alles, was wir haben, weil wir die Welt nie anders kennen gelernt haben als aus dem Spiegel des von uns selbst zur Wirklichkeit gekürten Weltbildes, damit wir "da draußen" etwas haben, das wir kontrollieren können. Damit wäre Realität nichts anderes als eine selbst kreierte Spielwiese des Geistes, um Menschen über die Auswirkungen und das Hinterfragen ihrer Handlungen und Taten an die von ihnen selbst verursachten Probleme heranführen zu können, und nicht das Zementieren, sondern die Überwindung der Realität das Ziel. Denn Realität verändert sich im Leben je nach Verschiebung des Fokus, durch dessen Linse wir die Welt betrachten. Jede Veränderung der Perspektive verwandelt natürlich auch den Hintergrund, auf den sich die Erfahrung der ursprünglichen Sichtweise bezieht, und man kann von verschiedenen Standpunkten aus verschiedene Assoziationsebenen auslösen, die unbekannte Teile unserer Persönlichkeit freilegen, was wir aber natürlich nicht merken.

definition-1Dabei ist unser Fokus stets auf die Vergangenheit ausgerichtet, denn die Vergangenheit setzt die Prioritäten, die wir von der Zukunft erwarten, denn nur aus der Vorstellung der erlebten Vergangenheit können wir uns das Bild einer kontrollierten Zukunft auch vorstellen. Mephistophelisch gesprochen: Jedes "zukünftige Erleben" wird an den Erfahrungen der Vergangenheit gemessen und der Gefühlswert des Zukünftigen damit aus dem Verflossenen assoziiert. Somit ist die "zukünftige Erfahrung" lediglich das Resultat der Messung neuer Eindrücke an den vergangenen Beobachtungen auf anderen Ebenen, deren Auswirkungen wie die Ringe eines ins Wasser geworfenen Steines sich immer wieder auf die ursprüngliche Prägung in der Kindheit beziehen. Die "Straße der Zukunft" rollt auf dem Pflaster vergangener Erfahrungen, und das ganze Leben ist im Grunde weniger ein fortlaufender Abenteuerroman, sondern eine sich immer enger zusammenziehende "Episodengeschichte", die sich nur durch die kontrollierende Instanz des Ego wie eine fortlaufende Geschichte anfühlt. "Realität" illustriert diesen Mechanismus, wenn sich die vielen Wege mit zunehmender Dauer immer mehr verdichten und die immer wieder gleichen Bilder durch verschiedene Sichtweisen und Rückblenden zu einer fixen Realität verbinden, die dem suchenden Menschen zeigt, wie simple Bilder durch die bloße Einbindung in "vergangene Erfahrungen" zu ganzen Vorstellungs- und Empfindungskomplexen im menschlichen Hirn "realisiert" werden. Mit anderen Worten: Unbewusst gibt es keine duale Schiene Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft, sondern das ganze menschliche Erleben ist wie ein Spinnennetz so in die Psyche verwoben, dass wir jedes zukünftige Ereignis mit ähnlichen vergangenen Erfahrungen vergleichen und das Erlebnis an der Stelle im Netz positionieren, an der es an vergangene Ähnlichkeiten anknüpft. Aus der Position des Unbewussten kann keine Situation linear geschildert werden, sondern sie wird in verschiedenen Erinnerungskomplexen über das ganze unbewusste "Assoziationsfeld der Psyche" verteilt, deren Fortlauf nicht "fadenförmig" verläuft, sondern sich von den verschiedenen "Assoziationsgeflechten" aus zu einem unsichtbaren Ganzen "strickmusterförmig" entwickelt. Vereinfacht ausgedrückt stellt sich der Geist dieses Spinnennetzes als "zukünftige Erinnerung" dar, das heißt entweder als vergessenes Ereignis, das im Unbewussten wirkt, bis es sich wieder in die Gegenwart drängt, oder (in ihrer verkehrten Überlappung) als psychisch mögliche, aber unerlebte Vergangenheit, die, obwohl die Seele dafür bereit gewesen wäre, nicht in das reale Geschehen durchgedrungen ist. Als unerlebte Wirklichkeit kann sie weiter im Unbewussten wirken, zumindest solange, bis sich das "unbearbeitete" Unerlebte in die Zwischenwelt der Träume und Phantasien eingefügt hat.
 

definition-2Relativität - eine kollektive Illusion

Damit aber noch nicht genug: Wir haben es in der Psyche nicht nur mit Erlebnissen zu tun, an die wir uns erinnern können, sondern auch mit Begebnissen, die wir von uns abgespalten haben, da wir uns mit ihnen nicht identifizieren können. Und neben den bewussten und verdrängten Vorgängen haben wir uns auch noch mit unerlebten, aber uns zugehörigen Erfahrungsmustern auseinanderzusetzen, die wir energetisch in unsere Erinnerungen eingeknüpft haben. Diametral zu den Ereignissen, die wir zwar erlebt, aber verdrängt haben, gibt es diese "unerlebten Wunschvorstellungen", die wir nicht erfahren haben, die aber trotzdem so stark mit uns verbunden sind, dass wir sie als Teil unserer Erinnerung betrachten. Diese Geschehnisse bilden mit anderen unerlebten Energien Erlebnisbündel, die unter unserer Bewusstseinsschwelle eigene Handlungsabläufe kreieren und, ohne je Realität zu werden, auf unsere Persönlichkeit großen Einfluss nehmen können. Sie können das mentale Geschehen verändern, so dass wir im Nachhinein tatsächlich glauben, unrealisierte Begebenheiten in der Wirklichkeit erfahren zu haben. Auch das ist ein Teil unserer Realität, wenn auch ein Teil, den wir aus unserer Realität ausgeblendet haben, da er sich bereits mit der geistigen Welt berührt. Aus diesen Gründen ist unsere normale Sichtweise oder das, was wir als kontrolliertes Weltbild erfahren, halt einfach das Konstrukt, das übrig bleibt, wenn sich die vielen Handlungsfäden vor dem "inneren Auge der Seele" zu einem Ganzen verbinden und der Verstand das "Strickmuster" linear nicht zu entschlüsseln weiß. In einem Wort: eine kollektive Illusion.
 

Die Auslösung des Schicksals

Im Schicksal spiegelt sich immer die Vollstreckung einer bestimmten Entwicklung. Ist man sich dieser Entwicklung nicht bewusst, so kann man das erlittene Schicksal nur schwer akzeptieren, weil man die Voraussetzung der Schicksalserfüllung nicht in sich selbst sieht. Wenn ich aber die Voraussetzung zur Schicksalserfüllung nicht in mir selbst sehe, werde ich keine Verantwortung dafür übernehmen können, was mir passiert.
Das, was mir begegnet, wird scheinbar ausgelöst von der Umwelt, die mich umgibt. Es sind jedoch meine inneren, unerlösten Bilder, die mich zwingen, mich den Umständen in der Umwelt auszuliefern, die mich dorthin dirigieren, wo mich mein verdrängtes, unakzeptiertes Schicksal zwangsweise wieder einholt. Wenn ich das, was in mir angelegt ist, nicht selbst erfülle, dann wird das zu Erfüllende von außen bewirkt, wobei allerdings das, was mir zur Schicksalserfüllung verhilft, nicht immer sehr angenehm ist.
Wir können davon ausgehen, dass wir selbst die Verursacher unserer Erlebnisse sind. Aufgrund unserer Vorstellungszwänge, wie wir die Welt wahrzunehmen haben, binden wir uns an das Ereignis " Leben ". Gleichzeitig beschweren wir uns aber über diese Bindung und beklagen sie als böses Schicksal, das uns von den Göttern aufgezwungen wurde, beneiden unsere Nachbarn, eifern fernen Helden nach und streben nach Profit. Damit erschaffen wir eine Welt, in der Kampf, Leistung und Rücksichtslosigkeit vorherrschen. Von der Wiege bis zur Bahre wählt jeder aus dem unerschöpflichen Trog von Perspektiven diejenigen Sichtweisen aus, die seiner inneren Ausrichtung an die Geschehnisse in der äusseren Welt entsprechen.
Viele sprechen dann von schwerem Schicksal, wo es sich doch um die Kompensationsmechanismen der Seele handelt, um das eigene Schicksal zu erfüllen. Ob das die Pleite ist, die sich abzeichnet, oder die Ehefrau, die wegläuft, ob es das Auto ist, das einem über die Füsse fährt oder der Blumentopf, der einem auf den Kopf fällt. Wichtig ist zu akzeptieren, dass einem auf dem Schicksalsweg nichts anderes begegnen kann, als das, was in einem selbst angelegt ist. Auch wenn wir uns im Glauben wiegen, unser eigenes Leben zu kontrollieren, weil uns die Verplanung der materiellen Realität dies suggeriert. In Wirklichkeit werden wir von den Wirkungen unserer Handlungen herumgeworfen, in denen die unsichtbaren Keime künftiger Entwicklungen schon eingegossen sind.
 

Die mehrdimensionale Perspektive

Die Welt, so wie sie sich uns darstellt, entspricht der Summe unserer Erfahrungen, die wir durch unsere Taten mit eben dieser Welt gemacht haben. Das entspricht gleichzeitig auch unserem Denken, in das beständig neue Erfahrungen einfließen, was sich in einem immer wieder leicht modifizierten Weltbild niederschlägt. Nun müßen wir aber wissen, dass wir nicht generell Erfahrungen anziehen, sondern uns nur von Erfahrungsmustern anziehen lassen, die zu unserer Weltanschauung irgendwie in Verbindung stehen. Da sich diese Weltanschauung wechselwirkend aus den gemachten Erfahrungen zusammensetzt, ist es hier leicht nachvollziehbar, dass das menschliche Bestreben nicht darauf zielt, die Welt kennen zu lernen, sondern sich immer mehr in seinen eigenen Erfahrungen zu bestätigen.
Setzen wir weiter voraus, dass unsere persönliche Erfahrung unserem persönlichen Wirken in der Welt entspricht und dieses Wirken unseren ererbten Anlagen, so können wir vermuten, dass die Schaltzentrale für unsere Taten nicht in unserem Bewusstsein sitzt, sondern in jener vieldimensionalen Persönlichkeit, in die wir uns mit unserer ganzen Ahnenreihe teilen.
Unser "Ich" stellt also nur einen Ausschnitt unseres Gesamtwesens dar, das wir innerhalb unseres Raum-Zeit-Kontinuums zum Ausdruck bringen. Unsere individuellen Anlagen ziehen dabei die noch fehlenden Erlebnismuster an, um sie über den Filter des bewussten Erlebens in die Gesamtperson zu integrieren. Wir können nun versuchen, diese Gesamtpersönlichkeit als etwas zu erfassen, das sich durch seine eigenen Teilausschnitte (Fragment) selbst erfährt. Genauso, wie sich der Mensch über seine Erlebnisse in der Welt selbst zu erkennen sucht, genauso sucht sich die Gesamtwesenheit durch die Erlebnisse ihrer Fragmentpersönlichkeiten selbst zu erfahren. Nicht mehr die Gesamtpersönlichkeit prägt unser Wesen, sondern auch die Summe unserer Erfahrungen auf allen Realitätsebenen.
Das Ich entspricht dem Geist des Ewigen, sich in die Dualität zu übertragen, und wird deshalb zum verkleinerten Rahmen, in dessen Reflexionen sich der Kosmos erkennt.